Evangelische Johanneskirchengemeinde Esslingen

GEISTLICHES WORT



D a sein - 
           nahe bei den Menschen


Unter Diakonie (diakonia „Dienst") werden alle Dienste an Menschen im kirchlichen Raum verstanden. Die christliche
Gemeinde sieht in der Diakonie eines der Wesensmerkmale der Kirche.
Diakonische Arbeit ist zum einen auf der Ebene der Kirchengemeinden verankert. Vor allem in Kindergärten, Krankenpflegevereinen, in Besuchsdiensten, Alten- und Pflegeheimen sowie in Pflegediensten der Diakonie und in Sozialstationen wird vor Ort praktizierte Nächstenliebe geleistet. Beratungsstellen und größere diakonische Werke sind beim Kreisdiakonieverband auf Landkreisebene angesiedelt, während die zentrale Organisation vom Diakoni-schen Werk der Württembergischen Landeskirche wahrgenommen wird. Krankenhäuser und andere soziale Ein-richtungen sind meist in eigenständigen diakonischen Organisationen organisiert.

Die meisten Aufgaben der Diakonie ergeben sich aus biblischen Bezügen. So beschäftigt sich das Alte Testament häufig mit der Not von Außenseitern und anderen Menschen. Es wird die Gleichbehandlung von Fremden und Einheimischen angemahnt. Auch Waisen und Witwen werden der Aufmerksamkeit der Gemeinschaft empfohlen. Grundlage dafür ist die Sorge Gottes für die Bedürftigen und Notleidenden, die an vielen Stellen in den 5 Büchern Mose und den Prophetenschriften genannt wird.

Im Neuen Testament ist es vor allem Jesus Christus, der die Aufmerksamkeit der Gemeinde in seinen Gleichnissen und Erzählungen auf benachteiligte und ausgegrenzte Menschen richtet. Das bekannteste Beispiel ist wohl das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lukas 10,25ff).
Auch das Gleichnis vom Weltgericht in Matthäus 25,31-46 ist in dieser Hinsicht besonders wichtig. Es gipfelt in dem Wort Jesu: „Was ihr getan habt einem unter diesen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan." Beispiele dia-konischen Handelns zeigt uns Jesus, wenn er die Not von Kranken erkennt und sich ihrer annimmt. 

An mehreren Stellen sagt er, dass mangelndes Engagement für soziale Gerechtigkeit, Krankenpflege, Armenfür-sorge, Sorge für Witwen und Waisen, und das Zur-Schau-Stellen der eigenen Frömmigkeit in der Öffentlichkeit nicht zusammenpassen. Seine Worte gelten bis heute und sie weisen uns als christliche Gemeinde darauf hin, dass es neben Mission und Gottesdienstgestaltung immer auch wichtig ist, in Menschen zu investieren, in die sonst nie-mand investiert
So lässt sich Diakonie als Aufgabe der christlichen Gemeinde schon in den ersten Beschreibungen des Gemeindelebens der Urgemeinde nachweisen. Gütergemeinschaft und die Unterstützung bedürftiger Gemeindemitglieder werden als selbstverständlich geschildert. Das Amt des Diakons gründet bis heute auf den ersten Berichten von Diakonen in der Apostelgeschichte (Apostelgeschichte 6,1-7).


Paulus schließlich bezeichnet im Galaterbrief (6,2) die Diakonie, das gegenseitige Lastentragen, als Erfüllung des Gesetzes Christi. Zahlreiche diakonische Dienste, die in der Antike und im frühen Mittelalter von der Kirche getragen wurden (z. B. Gründung und Führung von Hospizen, Armenhäusern, Waisenheimen) werden heute mehr und mehr vom Staat getragen.

Dennoch zeigt das biblische Menschenbild, dass die Kirche den diakonischen Auftrag niemals ganz an staatliche In-stiitutionen abgeben kann. Denn der Mensch braucht mehr zum Leben als ein Obdach, Kleidung und Nahrung. Aber ein liebevolles Gegenüber, Würde und Sinn vermittelnde Nähe und tragende soziale Kontakte können bedürftigen Menschen von staatlichen Institutionen nur bedingt geboten werden.

So verbindet sich bis heute mit dem Begriff Diakonie auch der persönliche Einsatz von ehrenamtlich tätigen Perso-nen, die sich in Zusammenarbeit mit der Kirche oder einer Gemeinde um das Wohl von Menschen in Not kümmern.
Entstanden ist die Arbeit der verfassten Diakonie in Württemberg im 19. Jahrhundert aus einer Reihe von Initiativen,
um die schwierigen sozialen Verhältnisse zu verbessern. Durch Krieg und Hungerkatastrophen hatten viele Kinder ihre Eltern verloren. So wurden ab 1823 die so genannten Kinderrettungsanstalten gegründet. Bald folgte die Fürsorge für Taubstumme, Blinde, Kranke und Menschen mit geistiger Behinderung. Diakonissen übernahmen damals in
Städten und Dörfern die Gemeindekrankenpflege.

1914 schlossen sich die württembergischen Einrichtungen zum Landesverband der Inneren Mission zusammen.
Die Not in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg gab den Impuls für die zweite diakonische Institution. 1945 entstand das Evangelische Hilfswerk. Es galt, den 14 Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen, den Ausgebombten, den von Hunger bedrohten Kindern und Alten zu helfen. Es wurden Altenheime aufgebaut und Wohnraum beschafft, Heimat, Arbeit und Essen für Jugendliche bereitgestellt. Diakonische Bezirksstellen verteilten Lebensmittel, Kleider und Medikamente.

Aus beiden Hilfswerken entstand im Jahr 1950 die Arbeitsgemeinschaft der diakonischen Werke in Württemberg und am 1. Januar 1970 wurde daraus das Diakonische Werk der evangelischen Kirche in Württemberg e. V.

Seitdem ist das Diakonische Werk in Württemberg ein selbstständiges Werk der Landeskirche. Als eingetragener und gemeinnütziger Verein gehört es zu den Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege und ist Teil des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirchen in Deutschland.

                                                         Pfarrer Martin Hug